Was ist ein Marathon?

Diese Frage stellte ich mir eigentlich nie, aber ich musste feststellen wie viele Leute das nicht wissen. Feststellen musste ich das, als ich allen Leuten erzählt habe (ob Sie es wollten oder nicht), dass ich dieses Jahr den New York City Marathon laufe. Die Gespräche liefen immer in etwa so ab

„Ja, jeder Marathon der Welt ist gleich lang.“

„42,195 km ist ein Marathon lang.“

„Jetzt überleg mal, das ist von hier bis hinter Frankfurt (Anm. d. Red.: kann auch durch etwas anderes passendes ersetzt werden).“

Dann kam der Moment in welchem die Leute die Streckenlänge realisierten. Bei Interesse bekamen Sie dann noch die Entstehungsgeschichte der Sportmarke Nike erzählt. Wen das jetzt auch Interessiert kann es ja mal Googlen. Ich will mich jetzt hier lieber auf den New York Marathon konzentrieren. Die Zahl 42 läuft (haha Wortwitz =) ) mir ja mal öfters über den Weg. Sie ist ja bekanntlich die Antwort auf alle Fragen. Warum die Amis aber die Zahl 26 benutzen um den Marathon zu beschreiben weiß ich nicht, aber vielleicht laufen Sie den immer mit 7 MEILENstiefeln. Das Laufen an und für sich ist ja eigentlich eine einfache Sache, aber ein Marathon hat so viel mehr zu bieten. Bei anderen Sportarten läuft man vom einem zum anderen Tor, beim Marathon hingegen ist die Strecke deutlich abwechslungsreicher. Bei manchen Marathons muss sogar der Reisepass mitgenommen werden, weil Landesgrenzen überquert werden. Während eines Marathons erlebt der Athlet viele ganz unterschiedliche kleine Geschichten/Dramen, die einen Marathon einzigartig machen. Jeder Marathon ist dabei ebenfalls unterschiedlich. Von diesen kleinen Geschichten/Momenten möchte ich euch jetzt berichten, natürlich sind es 42:

Start: Jeder Marathon muss einmal beginnen, für die meisten beginnt er am Start, für mich persönlich jedoch Monate bzw. Jahre zuvor, als die Vorbereitung begann. Die letzten 42 km von den unzähligen Kilometer soll dann eigentlich nur der Lohn für das harte Training sein. Um den Lohn hat mich leider eine Erkältung gebracht, welche mich wenige Tage zuvor für 2 Tage ans Bett gefesselt hat. Aus der Traum. Der Blog endet hier. Wie ihr aber seht folgt hier noch eine Kleinigkeit an Text. Warum? Das habt ihr und insbesondere ich den 3 Chaoten zu verdanken, die mich bearbeitet haben doch an den Start zu gehen. DANKE dafür. Sonst hätte ich alle weiteren 41 Geschichten verpasst. Aber aus dem Marathon wurde nichtsdestotrotz ein Wanderthon, Gesundheitsbedenken first Marathon second. Auf dem Wanderthon sollten mich Jenny und Niklas begleiten, beide hat es ebenfalls gesundheitlich erwischt. Einzig der im Vorhinein stark gebeutelte Jonas stellt sich der richtigen sportlichen Herausforderung. Er starte aber nach uns in einer anderen Welle, aber so sahen wir bei km 6 einen absolut topfitten und strahlenden Jonas wieder, welcher uns im Sauseschritt überholte. Doch zurück zum Start, gestartet wird in mehreren Wellen, welche nochmals in 3 Corals aufgeteilt sind. Davor hieß es warten, warten und nochmals warten. Aufgrund der Masse der Leute und der Verkehrssituation wurden wir frühzeitigen an den Startbereich gebracht. Die Zeit konnten wir uns mit Essen und Trinken vertreiben und in meinem Fall mit Schmollen, aber es ist auch irgendwie blöd für etwas zu trainieren und am Ende es dann nicht so wie angedacht zu beendet. Ich habe mich im Startbereich unter einem Zelt hingelegt, um möglichst viel Energie zu sparen, da ich mir sicher war, dass ich die später brauchen werde. Ich bin mir nicht sicher was die anderen 3 über mich gedacht habe, es war wahrscheinlich eine Mischung aus: Verwunderung; was ein Arsch; ist schon irgendwie lustig; der war schonmal besser drauf; man genieße es doch trotzdem. Im Nachhinein erfuhr ich, dass Sie Angst hatten, dass ich mich umbringe, als ich immer kommentarlos aufgestanden und „verschwunden“ bin (trinken, Toilette, Zeitplan checken). Ich kann aber versichern, dass es so schlimm um mich nicht gestanden war, aber gut gelaunt war ich jetzt auch nicht gerade. Irgendwann war die Warterei in der Kälte auch überstanden und es ging an den Start. Wenn die Amis was können, dann ist es Show. Das stellten Sie auch hier wieder unter Beweis. Erst wurde die Nationalhymne live gesungen und mit dem letzten Ton flogen 3 Helikopter (auch wenn ich eher mit Kampfjets gerechnet hätte) über uns, nur um Sekundenbruchteile später einen Kanonenschuss als Startschuss abzufeuern. Als krönender Abschluss der Startzeremonie wurde dann New York, New York von Frank Sinatra abgespielt. Was ein Spektakel. Jetzt ging Sie also Los unsere längste Wanderung des Lebens.

Erster: Nach dem Startschuss begannen für uns die ersten Meter unseres Wanderthons. In unserer Startwelle waren wir umringt mit Läufer die als Zielzeit 3:30 bis 4:00 Stunden angegeben haben. Es dauerte also nicht lange bis uns alle überholt haben. Die ersten Kilometer ging es über die 2-etagige Verrazano-Narrows-Bridge von Statten Island nach Brooklyn. Im Vorhinein hörte ich immer wieder, dass das Wackeln der Brücke zu spüren ist, wenn die Läufer darüber laufen. Jaja dachte ich, ganz bestimmt. Aber spüre da, während des Überholvorgangs war das Wackeln tatsächlich zu spüren. Als uns die Letzte überholt hat, waren wir … …. ….. ERSTER!! Vor und nach uns war kein Läufer zu sehen, dass kann nur bedeuten, dass wir Erster sind, oder? Den Streckenposten auf der Brücke erklärten wir natürlich auch dass wir Erster sind. Sie feierten uns daraufhin ab und feuerten uns wie verrückt an. Ein kleiner Vorgeschmack auf, dass was noch kommen sollte. Wir hatten jetzt circa. 30 Minuten Vorsprung auf die nächsten Läufer, welche eine Startwelle nach uns starten. Diese Zeitspanne welche wir auf einer komplett menschenleeren Brücke in aller Stille verbracht haben, ist einer dieser Momente den ich nicht vergessen werde. Aufgrund unseres langsamen Tempos konnte ich die Aussicht auf die Skyline von New York etwas genießen. Mit jedem Meter wurde auch mein Gemütszustand besser.

Gesichtsausdrücke: Damit meine Laune etwas besser wird, versuchten Jonas, Niklas und Jenny mich irgendwie aufzuheitern. Insbesondere Jenny versuchte es mit lustigen/motivierenden Gesichtsgrimassen. Anfangs mit massigem Erfolg, zum Ende hin, hatte Sie es wahrscheinlich ein wenig bereut, da meine Laune zu gut war. Dazu aber später mehr. Über den Marathon hinweg schwankten aber gefühlt bei allen etwas die Gefühle von Euphorie zu Depression über Verrücktheit hin zu Schmerzen und vis versa oder auch kreuz und quer. So bedurfte auch Jenny mitten drin motivierende Gesichtsgrimassen bzw. Aufmunterung.

Outfits: Weil Outfits etwas mit Respekt zu tun haben, durfte ich mir am Vorabend noch eine lange extrem preiswerte Jogginghose kaufen. Aufgrund der veränderten zu erwarteten Anstrengung (von Marathon hin zu Wanderthon) bedarf ich einer langen Joggingtight, die hatte ich ja nicht dabei, weil ich der sportlichen Herausforderung mit einer kurzen Hose begegnen wollte. Ein Wanderthon dauert nun mal deutlich länger als ein Marathon, warme Klamotten waren also angesagt. Im Morgengrau bei der Warterei sollte es kalt sein plus wenig Bewegung bedeutet Frieren (damit habe ich schon zu Hauf Erfahrung bei meinem dritten Drittel gesammelt). Mit Beginn des Wanderthons sollte es wärmer werden und der Bewegungsapparat würde in Wallung kommen, sprich es wird warm und schwitzen war nicht auszuschließen. Während des Laufs sollte es auch noch Regen. Zum Ende des Wanderthons wird es kalt und dunkel sein, ebenso habe ich aus den Erfahrungen der letzten Tage mit kalten Wind in den Häuserschluchten gerechnet. Zwiebelprinzip war angesagt. Am Start konnte die warme Kleidung an Obdachlose gespendet werden. Ich zog mir also 7 Teile Oberbekleidung (Kompressionsshirt, langes Laufshirt, dickes langes Poloshirt, altes Schlafanzugoberteil, Strickjacke, Straßenjacke und ein kurzes Laufshirt) und 4 Lagen Unterbekleidung (Unterhose, neue Jogginghose, kurze Laufhose, alte Jogginghose), allerdings nur ein paar Socken an. Ein Stirnband und Mütze durften natürlich auch nicht fehlen. Für jemanden der fast immer mit kurzer Hose und kurzem Shirt laufen geht also sehr sehr viele Klamotten. Aber zu meiner größeren persönlichen Überraschung habe ich kein Teil davon über den Wanderthon hinweg abgelegt. Aber was soll ich sagen, ich habe die ganze Zeit über weder geschwitzt noch gefroren. Verrückt. Hat bestimmt auch der Rest gedacht. Ich muss wie ein Panzer ausgesehen haben in diesem Berg von Kleidern. Als optischen Hingucker trug ich aber auch noch einen SV Darmstadt Fanschal um den Hals. Ich will nicht von Partnerlook sprechen, aber Niklas ist im SVD Trikot gelaufen. Die Lilien blühen eben überall. Ironischer Weiße hat uns bei unserem Wanderthon auch noch Dirk Schuster überholt. In seiner freien Zeit konnte er endlich seinen seit mehreren Jahren geplanten New York Marathon laufen. Niklas wollte sich nicht nur die Sympathien von der Legende Dirk Schuster abholen, sondern auch noch von allen New Yorkern (vll. aber auch nur von Superwoman =) ). Auf seinem Trikot ist als „Spielername“ Obama, dem alten Edelfan vom SVD, aufgedruckt. Sein Plan ging auf, es gab mehrmals Jubelruf auf Obama, wir sahen aber auch ein paar „Impeach Trump“ Schilder am Streckenrand. Zum Outfit vom Jonas kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nur einmal kurz bei seinem Überholvorgang gesehen habe. Er war so schnell, dass wir ihn fast nicht gesehen hätten, unser schnelles Elektron. Jenny hingegen war von der bunten warmen Dunkin Donuts Mütze angetan, welche im Startbereich verteilt wurden.

Mütze: Auf der ersten Brücke legten noch einige Läufer Klamotten auf der Laufstrecke ab. So fand ich am Streckenrand eine leuchtgelbe Schildmütze, welche ich ganz spontan aufsetzte. Ich hatte ja nicht schon genug an. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was mich da geritten hat. Schön sah das Ganze auch nicht aus, egal mit welcher Ausrichtung ich die Mütze aufsetzte. Aber abgesetzt habe ich Sie bis zum Schluss nicht. Aber einige Zuschauer sind voll auf meine neue Mütze abgefahren, als Sie sie sahen flippten Sie aus und feuerten mich nur auf Grund der Mütze frenetisch an. Ich weiß nicht warum. Erklären kann ich mir des nicht. Vielleicht haben Sie mich aber auch einfach nur ausgelacht.

Sniper: Ein paar Tage zuvor geschah ein Terroranschlag in New York. Es war davon zu hören und lesen, dass die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden sollen. Es standen an jeder Kreuzung dann Polizisten und ebenso waren viele Sandlaster als Straßenblockade eingesetzt. Besonders sind mir aber die Sniper aufgefallen. Kennt man ja eigentlich nur aus Spielfilmen das Scharfschützen auf den Dächern liegen. Ich weiß nicht ob es Absicht war, aber ich konnte viele davon auf den Dächern erspähen. Ich fand das Ganze irgendwie surreal und lustig, gleichzeitig zeigt es aber, dass die Welt gerade im Wandel ist.

Essen und Trinken: Nach der 3 Meilen langen Verrazano-Narrows gab es die erste Versorgungsstation. Jede weitere Meile kam dann die Nächste. Alle gleich aufgebaut. Erst Gatorade dann stilles Wasser und im Anschluss ein Zelt mit Sanitäter. Eine wahnsinnig große Armee von komplett grün gekleideten Helfern reichten einem das Getränk seiner Wahl an. Ich trank meisten eine Mischung aus beidem. Dafür, dass ich eigentlich keins von beidem mag, schmeckte die Getränkeauswahl gar nicht so schlecht. Nur trank ich am Anfang zu viel, das hatte einen skurrilen Boxenstopp zu Folge, später mehr dazu. Thema Essen: Da gibt es nicht viel zu sagen. Es gab keins. Nur einen mickrigen Stand mit Powerriegeln. Einfach enttäuschend. Verhungern mussten wir aber nicht, aber auch dazu später mehr.

Lob über Lob: Also die Amis sind ja teilweise schon positiv verrückt. Die können einen anfeuern wie blöde und das Ganze mit einer Energie die es Deutschland nie geben würde. In Deutschland gibt es ein paar Trommeln und ein konstantes seichtes klatschen der Zuschauer. Die Amis sind ohne Trommel und sonstige Hilfsmittel deutlich lauter alles andere in Deutschland. Wirklich brutal was die abreisen. Und was für Massen an Leuten an der Strecke stand, teilweise läuft man im Spalier durch die Maßen durch, so dicht gedrängt stehen die Zuschauer am Rand. Und das was Sie einem Zusagen ist irgendwas zwischen verrückt und absolut positiv. Hier meine Highlights: „You are awesome“. „You are the greatest“, „You are almost there“(die Sprüche kamen schon ab km 5), „You are beautiful“, „Come on you will get it“, „Don’t stop“. Teilweiße habe ich mir den Spaß erlaubt und geantwortet: “I know”. Aber im Ernst, so oft wurde ich noch nie an einem Tag in meinem Leben als schön, großartig, wundervoll und schnell bezeichnet. Aber wo die Leute Recht haben ….

Toilettenomis: Einer der skurrilen Momente war folgender: Das viele Trinken zollte seinen Tribut. Wir mussten aufs Klo. Aber zum Glück standen jede Meile ein paar Dixis. Bei ca. 50.000 Läufer musste gerade zu Beginn mit Anstehzeiten zu rechnen sein. Zu unserem Pech stellten sich nur Sekunden vor uns ca. 8 ältere Frauen an. Ihr Outfit ist das skurrile an der Geschichte. Knappe Hose unten und oben nur ein bunter BH geschmückt mit Federn. Etwas gewagt, aber wer es tragen kann. Insbesondere bei den kühlen Temperaturen.

Videokonferenz: Anscheinend konnten nicht alle Zuschauer kommen, die es wollten. Anders kann ich mir folgende Szene nicht erklären. Ein Mann steht am Streckenrand. Erstmal nicht ungewöhnlich. Was er aber in der Hand haltend nach oben hielt war abgefahren. Ein Smartphone. Ja gut jetzt nicht so spektakulär, aber er hatte eine Videokonferenz mit einer Dame gestartet. So dass Madame den Läufern beim Marathon oder auch Wanderthon zuschauen konnte. Ob Sie uns anfeuerte konnte ich nicht beurteilte. Die umstehenden Leute machten so einen Lärm, dass die Smartphoneboxen dagegen unmöglich angekommen wären.

Vaseline: An den Versorgungsständen wurden auch Holzstäbe mit einer durchsichtigen schleimigen Masse serviert. Ein Mann griff sich solch einen Stab und führte ihn in seinen Mund ein und gönnte sich einen großen Happen. Geschmackstest. Dieser fand ein schnelles Ende als er merkte, dass es sich um Vaseline handelt. Eine andere Dame hat direkt erkannt, dass es sich um Vaseline handelt und führte sich den Stab . . … . . … Halt Stop. Hier beginnt dann der FSK18 Teil. Sorry. Achtung Kopfkino startet in 3….2….1.

Schild Teil 1: Schilder überall Schilder. Teilweise mit persönlichen Anfeuerungen oder auch ganz allgemein. Mit solch einem möchte ich anfangen. Super Mario wer kennt es nicht. Es gab unzählige Schilder mit der Aufschrift: „Tap for 1 extra life“ und natürlich verziert mit dem passenden Symbol. Es viele Extraleben wie an diesem Tag habe ich noch nie erhalten. Mögen sie mir durch die nächsten Trainingseinheiten helfen, wenn ich gefühlt mal wieder sterben sollte.

Jonas: Ihn habe ich leider kaum gesehen während des Wanderthons, lag daran, dass er als einziger unserer Gruppe einen echten Marathon gelaufen ist. Im Sauseschritt hat er uns ungefähr bei km 6 überholt mit einem freudestrahlenden Lächeln im Gesicht, welches seines gleichen sucht bei ihm. Er war sich zu dem Zeitpunkt sicher, dass er locker in 5 Stunden den Marathon beenden wird. Er war gerade aber auch am Fliegen. Am Ende stand auf der Uhr 5:30 Stunden. Für den ersten Marathon mit der Vorbereitung immer noch spitze. Was war passiert? Der Mann mit dem Hammer kam vorbei. Als ich ihm im Training davon erzählt habe, hat er es wie immer abgestritten, dass es den geben würde. Und wieder einmal zeigte sich, dass er nicht Recht hatte. Vielleicht gibt er mir jetzt das nächste Mal recht. Wie sieht‘s aus Jonas?

Wetter: Habe ich mit Läufern nach dem Marathon unterhalten, habe alle gesagt, dass es die ganze Zeit durchgeregnet hat. HALT STOP. Das stimmt nicht! Nur weil die zu früh fertig waren. Wenn man hingegen den Wanderthon gelaufen ist, kann man bestätigen, dass es am Ende aufgehört hat zu Regnen. Tja es hat also doch Vorteile so ein Wanderthon.

Organisation: Besser gesagt: perfekte Organisation. Ich persönlich habe nichts gefunden, was nicht ins kleinste Detail durchdacht gewesen war. Bei der Ankunft hatte jeder Bus seine einzelne Haltebucht, tausende Toiletten im Startbereich, Massen an Helfer bei der Getränkeausgabe, usw. . Aber auch an die kleinen Dinge wurde gedacht: Jeder Finisher hat eine Medaille bekommen (gibt Läufe, da bekommen die Langsamen keine mehr), geteilte Anstehschlangen am Zielpavillion am Tag danach (Medaillengravur(mega lange Schlange) und normaler Eingang(nix los)), jede Meile und alle 5 km ein Schild, überall ein Helfer mit Ahnung. Ein Deutscher hätte es auch nicht besser organisieren können.

SELfie: Wenn wir eins hatten, dann war es Zeit. Es wurde also nach Beschäftigung gesucht. Erinnerungsstücke an den Wanderthon wären auch noch was Schönes, dachten wir uns. Was bietet sich da in der heutigen Zeit also mehr an Selfies? Nichts. Richtig. Unser Ziel war es also jeden Kilometer ein Selfie zu machen. Sollten am Ende also 42 Stück sein. Als Fotografin war Jenny tätig, weil ihr Handy einen Selfiemodus besitzt. Was macht dieser? Die Person im Vordergrund scharf stellen und den Rest unscharf. Der Modus sorgte immer wieder für herrlich unentspannte Diskussionen über die Vorteile (Einfachheit) und die (kosmetischen) Nachteile. Am Ende ließ die Lust in der aufgebrachten Stimmung etwas nach Selfies zu machen, deswegen sind wir nicht ganz auf 42 gekommen. Neue Motive außer den immer gleichen Frazen waren aber auch schwer zu finden, ebenso brach am Ende die dunkle Nacht ein. Aber wir wissen ja, aus jedem hässlichen Foto wird Dank des romantischen schwarz-weißen Filters noch ein halbwegs schönes Foto. Am Ende hin störte sich Jenny an meiner Aussprache des Wortes Selfie. Das übliche Betonungsproblem, welches die Bayern eben aus Sicht einer Hochdeutschen haben. Nix Neues für mich, kenne ich ja schon aus Studienzeiten von den Wörtern Chemie und LaTeX. Mal schauen, welche Wörter in der Zukunft noch dazu kommen.

Taschentücher: Wie ich schon berichtet habe, gaben die Zuschauer sehr viel Motivation und Euphorie weiter. Darüber hinaus verschenkten Sie aber auch Goodies an die Läufer. Eines davon waren Taschentücher. Super praktisch, wenn eine Erkältung einem beim Wanderthon begleitet. Wenn auch noch der eigene Taschentücher-Vorrat schon beim Start fast aufgebraucht ist, ist das doppelt praktisch.

Bands: Ebenfalls super fand ich es, dass es unzählige Bands an der Strecke gab. Diese sorgten für zusätzliche Motivation und heiterten die Stimmung auf, man fühlte sich direkt ein Stückchen besser. Teilweise musste ich auch einfach lostanzen, wahrscheinlich war ich da schon etwas verrückt im Kopf. Das sorgte aber auch dafür, dass der monotone Bewegungsablauf für einen kurzen Moment aufgelockert wurde. Zum Schluss hingegen sorgte der andersartige Bewegungsablauf aber auch für ein leichtes Ziehen und Drücken in der Muskulatur, von Schmerzen will ich aber nicht sprechen. Da hatte Jonas sicher ein ganz anderes Ziehen und Drücken beim Mann mit dem Hammer gespürt, aber das wird er wahrscheinlich auch wieder abstreiten. Als erste Band empfing uns ein Gospelchor auf den Eingangstreppen einer Kirche, einfach nur überragend. Leider war es auch der einzige Gospelchor entlang der Strecke, dafür gab es aber unzählige Rock und Popbands oder auch Hinterhof DJ‘s. Teilweise waren die Rocker im besten Alter àla AC/DC oder Guns of Roses. Der Lieblingsinterpret von der Hälfte der Bands war allerdings der King of Pop Micheal Jackson. Top!

Queensboro Bridges: Die berühmt berüchtigte Queensboro Brücke unter den Marathonläufern. Berüchtigt wegen des steilen langen Anstiegs und berühmt wegen der dortigen Halbmarathonmarke. Also zwei Dinge die eine der fünf Brücken des Marathons beschreiben, oder sollte ich besser schreiben: beschrieben sollten. Warum? Naja solch eine Brücke gibt es nicht, wie ich feststellen musste. Der Teufel liegt im Detail begraben: Die New York kennen zwei Queensboro Brücken, abhängig vom Wohnort des New Yorks. Google Maps kennt nur eine, die zweite heißt dort Pulaski Bridge. Für Leute aus Queens ist jedoch die Pulaski Bridge die Queensboro Bridge und die eigentliche Queensboro Bridge ist die 59th Street Bridge. Die Bewohner von Manhattan nennen die Queensboro Bridge Queensboro Bridge und die Pulaski Bridge Pulaski Bridge. Absolut verwirrend ja, auch für uns. Als erstes führt die Streckführung einen auf die Pulaski Bridge und 3 Meilen später auf die Queensboro Bridge. Aber welche ist jetzt berühmt und welche berüchtigt. Aufklärung: Auf der Pulaski Bridge ist die Halbmarathonmarke und die Queensboro Bridge hat den saftig langen Anstieg mit ca. 40 Höhenmetern. Als wir die 1. Queensboro Bridge, also die Pulaski Bridge zur Halbmarathonmarke hoch gelaufen sind, dachten wir: Also so schlimm wie alle sagen, war der Anstieg ja nicht. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir aber noch nicht, dass es noch eine 2. Queensboro Bridge gibt. Der Anstieg an dieser hatte es dann selbst für einen Wanderthon in sich. Das war auch die einzige Stelle bei unserem Wanderthon, an welcher wir massenhaft Läufer überholt haben. Es war auch ein Mann im Rollstuhl dabei rückwärts die Brücke hoch zu rollen. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass dieser Mann der letzte im Ziel mit einer Zeit von 12 Stunden war. Hut ab vor solch einer Leistung, ein wahrer Held des Marathons. Das Namens Wirrwarr der Brücken sorgte aber noch an einer anderen Stelle für Irritation:

Niklas: Niklas hat es ebenfalls erwischt. Allerdings erst als letzten von uns. Los mit der Erkältung ging es bei ihm 1-2 Tage im Voraus, sprich er war nur „halb“ krank. Vielleicht sind aber auch seine Dortmunder daran schuld, weil Sie am Vortag des Marathons eine klare Heimniederlage gegen die „arroganten“ (Zitat) Bayern hinnehmen mussten. Doch wieder zurück zum Thema: Was passt zu einer halben Krankheit besser als ein Halbmarathon? Nichts. Deshalb sein neuer Plan: Erst einen halben Wanderthon, dann einen halben Marathon. Aber nur falls er sich bei der Halbmarathonmarke noch gut fühlt. Wir dachten, dass es optimal ist die steile Halbmarathonmarke-Brücke hochzugehen und dann oben mit dem Joggen anzufangen. Guter Plan, aber dass es zwei Queensboro Brücken gibt, wussten wir da ja noch nicht. Wie es ihm an der 2. Queensboro Bridge erging, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass er auf der zweiten Hälfte einen Vorsprung von ca. 45 Minuten auf uns herausgelaufen ist. Starke Leistung wie ich finde. Kurz bevor Niklas uns verlassen hat, traf er noch zwei alte Herren die Ihn spontan auf ein Bier im Pub einladen wollten. Das Bier musste aber noch ein Tag warten. Nach der schmerzvollen Trennung waren wir also nur zu zweit (Jenny und ich) unterwegs auf dem immer länger werdenden Wanderthon Richtung Central Park. So zu sagen unser dritter gemeinsamer Halbmarathon, dieses Mal sollte es aber der langsamste werden.

Schild Teil 2: Mein Lieblingsschild, weil es nicht nur so gut zu meiner Gefühlslage beim Wanderthon passte sondern auch zur Situation bei meinem ersten Drittel. Ich will euch jetzt aber nicht länger auf die Folter spannen, nur als kleiner Tipp im deutschen funktioniert der Spruch nicht, deshalb jetzt in der Originalfassung: „Pain“ means in French „Bread“. Es dauerte einen Moment bis mein Gehirn den Spruch entschlüsselt hat, aber dann habe ich ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Wie stark die Schmerzen noch werden, wussten wir jetzt noch nicht.

Andere Talente: Einem Läufer hat es offenbar nicht gelangt nur einen Marathon zu laufen. Er wollte zeitgleich auch noch einer anderen Beschäftigung nachgehen. Bei einer Band muss er den Sänger wohl so schrecklich gefunden haben, dass er kurzfristig eingesprungen ist. Was soll ich sagen, der Mann kann besser singen als Marathon laufen. Ein starkes Solo hat er da hingelegt. Die perfekte Gelegenheit für uns ein SELfie zu schießen. Ich hab schon viele Läufer in verrückten Kostümen gesehen, aber noch nie einen singenden Läufer. Respekt.

Abbau: Mittlerweile sind wir an der 2. Queensboro Bridge angekommen. Wir erfuhren im Vorhinein, dass am Ende der Queensboro Bridge an der Abbiegung auf die 1st Avenue der absolute Stimmungshöhepunkt auf uns warten soll. Schwervorstellbar, dass die Stimmung aus Brooklyn noch getoppt werden könnte. Also Kurve runter von der Brücke und hinein in den Hexenkessel. Doch bei uns war der Hexenkessel schon leer gelöffelt, kaum noch Leute dar und die ersten Rückbaumaßnahmen haben auch schon begonnen. Super. Aber bei unserem Wanderthontempo waren ca. 90% der Läufer schon vorbei. Der spätere Sieger ist ungefähr 3,5 Stunden vorher vorbeigekommen. Im Folgenden kamen wir immer mal wieder an Abbaumaßnahmen vorbei: Abbau von Getränkestationen, keine Ausgabe von Bananen mehr und ganz zum Schluss mussten wir sogar ein Stück auf dem Gehweg mit ganz normalen Passanten laufen. Insbesondere letzteres fühlte sich komisch an. Aber gut die restlichen New Yorker freuen sich sehr, wenn die Straßen wieder frei sind und das Verkehrschaos abnimmt.

SMS: Das gibt es glaube ich nur beim New York Marathon, dass der Veranstalter während des Rennes an alle Teilnehmer eine Warn-SMS verschickt. Welcher Teilnehmer hat den die Zeit und die Lust seine SMSen während des Marathons zu lesen? Gut die Leute welche einen Wanderthon gehen, können sich diesen Luxus erlauben. Aber was stand in der SMS? Das hier: „Runners approaching Mile 18, due to a temporary obstruction on the course, please follow personnel instructions and be prepared to pause.” Pausieren während des Marathons, toll, aber als uns die Nachricht erreichte waren wir erst ca. bei Meile 13. Unser Außenreporter Jonas berichtete uns danach, dass er dort kurz warten musste, weil ein Krankenwagen die Wegstrecke kreuzen musste. Tja wer auch so schnell laufen muss, selber schuld.

Toiletten: Es wurde langsam Zeit für unsere vierte und letzte Toilettenpause, natürlich wieder ein Dixi. Die Dixis waren aber zu ca. 95% wirklich super in Ordnung und sauber (naja so sauber wie ein Dixi halt sein kein. Nur Jenny leistete sich sprichwörtlich einmal einen Griff ins Klo. Ich war aber überrascht wie sauber beim New York Marathon die Toiletten waren. Im Vorhinein kannte ich nur die Toiletten vom Frankfurt Marathon und die waren wie soll ich sagen, schwer zu beschreiben, naja, sehr braun. Damals dachte ich mir, in New York lieber nicht auf die Toilette gehen lieber in die Hose ….. . Ich weiß nicht warum der Unterscheid zum Glück so krass groß war, aber vielleicht ging in Frankfurt damals ein Magen-Darm-Virus rum. Aber jetzt will ich mich lieber wieder den schönen Dingen im Leben zu wenden.

Orangenbeutel: Essen ist doch eines dieser schönen Dinge im Leben, aber wie schon geschrieben gab es von offizieller Seite kaum etwas zu essen. Jenny erspähte aber auf einmal eine Frau am Straßenrand die Orangen verschenkte. Super endlich mal was Gesundes in New York zum Essen. Schon super klasse, dass die Dame Geld ausgibt um uns Essen zu schenken, insbesondere bei den Preisen in New York. Sie war nicht die einzige die Essen verschenkte, viele gaben Donuts oder Schokoriegel aus. Sie blieb mir aber in besondere Erinnerung, weil Sie die Orangen mit viel Liebe zubereitete. Jetzt mag einer sagen, wie kann man denn Orangen schon groß zubereiten, naja folgendermaßen: Sie schnitt die Orangen in kleine mundgerechte Schnitze und verpackte diese in kleinen Mengen in Zipper-Beutel. Diese Beutel gab Sie dann aus, einfach super und ein SELfie wert. Es sind die kleinen Dinge die man während eines Marathons/Wanderthons schätzen lernt.

Straßenschluchten: Jeder kennt die Straßenschluchten von New York, zumindest von Bildern. Einer der Vorteile des Wanderthons ist, dass die Laufstrecke ab der Hälfte des Rennes so gut wie leer ist. Einer der Nachteile ist, dass auch die Zuschauermenge ab der Hälfte sehr überschaubar ist. Beide Sachen kombiniert ergab wieder einen schönen Moment und zwar diesen: Als Wanderthonie läuft man durch die menschenleeren Straßenschluchten die kein Ende finden, links und rechts Wolkenkratzer, keine Autos kaum Lärm. So erlebt man diese Szenerie normalerweise nicht. Ich fand diesen Moment sehr beeindruckend. Ich hätte es fast genießen können, wenn nicht folgendes passiert wäre:

Piep Piep: In der heutigen Zeit läuft ja jeder Läufer der ernsthaft auf einen Marathon trainiert mit einer Pulsuhr. Diese Uhren piepsen auch mal gerne, z.B. nach jedem Kilometer oder bei gewissen Pulsbereichen. Jenny’s Uhr fing auf einmal an zu piepsen, ohne Vorwarnung. Ein Blick auf die Uhr konnte nicht aufklären, warum sie piepste: kein neuer Kilometer und der Puls passte auch. Naja eine Fehlfunktion darf ja auch einmal vorkommen. Die Uhr piepst dann aber immer wieder in unregelmäßigen Abständen. Irgendwann fragte Jenny mich, ob ich es auch gehört habe. Antwort: Ja, aber was weiß ich wann deine Uhr piepst. Das Mysterium konnte erstmal nicht geklärt werden. Später viel Jenny auf, dass ihre Uhr immer piepste als eine andere Dame neben uns war. Mal überholten wir Sie, mal Sie uns. Lösung: Jenny’s Uhr piepste nicht, sondern die Uhr der anderen Dame, wenn diese mal wieder zu hohen oder zu niedrigen Puls hatte. Also alles gut, Uhr nicht kaputt und das Herz schlägt auch noch richtig, nur der Ton beider Uhren war identisch.

Schilder Teil 3: Neben den allgemeinem Schildern, gab es auch eine Menge Schilder mit persönlichen Widmungen. Aber man nimmt ja als Motivation was man bekommen kann und freut sich über ein Schild auf dem Alex oder Alexander steht. Der Name Alexander ist ja doch weit verbreitet auf der Welt, aber anscheinend nicht in Amerika. Ein Schild, nochmal: Ein einziges Schild mit dem Namen Alex drauf konnte ich entdecken und das lag im Dreck am Straßenrand ganz alleine gelassen. Der Spruch hat auch gar nicht gepasst: „Alex you are crazy fast“. Leider nein, leider gar nicht. Super, keine Motivation für mich. Schilder mit den Namen Joans und Niklas konnte ich aber auch gar keine entdecken. Jenny konnte sich hingegen über unzählige Schilder mit ihrem Namen freuen. Unfair ;). Es könnte aber auch einfach daran liegen, dass 320 Jennifers, 128 Alexanders, 24 Jonase und 4 Niklase mitgelaufen sind.

Blase: Irgendwann fragte mich Jenny, ob ich Wasser in den Schuhen hätte. Was bei ihr in etwa so viel bedeutet: Ich habe das, ist das schlimm? J Antwort: Nein habe ich nicht. Mit der Anmerkung, dass ich es beim 1. Halbmarathon hatte. Das war allerdings Wasser, das ich mir bei 30°C im Schatten an dem Tag in rauen Mengen über den Kopf geleert habe. Kilometer später meinte Jenny, sie weiß jetzt was das ist: Eine Blase. Auf die Frage wie groß: Viel zu groß. Gefundenes Fressen für mich, darüber sarkastische Bemerkungen zu machen. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz. Lesson learned: Mit den Schuhen wird Jenny wohl keinen Marathon mehr laufen.

Costa Rica: Wir bogen dann von Manhattan in die Bronx ab. Die ewig lange 1. Avenue hat somit sein Ende gefunden. Die Bronx ist ja berüchtigt, die Laufstrecke geht aber auch nur circa 2-3 km durch die Bronx. Am Straßenrand schank eine Frau Cola aus. Irgendwie hatte ich drauf jetzt Bock. Während Jenny sich Kekse schnappte entstand eine kurze Unterhaltung mit der Frau. Sie war nicht lang, aber deshalb blieb mir die Dame aus Costa Rica (die einzige Information aus unserem Gespräch, als Ausgleich erfuhr Sie, dass ich aus Bayern komme) im Gedächtnis. Auch diese kleine Tat zeigt die Unterstützung der Zuschauer. Falls ich mal wieder den NYC Marathon laufe (dann aber richtig) werde ich wieder bei ihr zum Cola trinken vorbeikommen.

Craziness: Ich glaube jeder Läufer durchläuft während eines Marathons eine Gefühlsachterbahn. Als wir in die Bronx einbogen, begannen bei Jenny ihre verrückten 10 Minuten, in denen Sie tanzte und Leute abklatschte, davor und danach nie wieder geschehen während des Wanderthons. Es schien als sein die Schmerzen für den Moment vergessen. Auf die Frage was los sei: „Weiß nicht“. Keine 25 km zuvor bedarf es noch AufmunterungJ. Meine Stimmung stieg eigentlich konstant vom Anfang bis kurz vors Ende an. Am Ende kam dann wieder die Ernüchterung, dass es nur ein Wanderthon und kein Marathon ist.

Schild Teil 4: Von der Bronx führte uns die Strecke wieder nach Manhattan über die letzte der 5 Brücken. Die letzten zwei waren aber eher sehr flach im Vergleich zu den zwei Queensboro Brücken und der Verrazano-Narrows-Bridge. Trotzdem freuten wir uns riesig als einer der Zuschauer folgendes Schild hoch hielt: „LAST DAMN BRIDGE!!!“. Ich glaube jeder einzelne freute sich über das Schild, was unzählige Bilder im Internet bestätigen. Wir machten natürlich auch ein SELfie. Das Schild motivierte so sehr, dass ich dachte, dass die letzten 7 km einfach werden. Nach wenigen Minuten setzte aber die Ernüchterung ein, dass sich diese 7 km sehr ziehen sollten.

Redezeit: Anfangs vom Wanderthon habe ich kaum geredet, da war ich einfach nicht in der Stimmung dazu. Zum Ende hin sind die Wörter aber immer flüssiger aus mir heraus gequollen, teilweise zu flüssig. Jenny hat sich darüber sichtlich gefreut, sie war ja nicht schon genug genervt von der Blase. Erst hat sie nicht mehr richtig geantwortet, dann gar nicht mehr, dann hat sie gemeint ich solle aufhören zu reden und zum Schluss verbreiterte Sie den Abstand zwischen uns. Aber was sollte ich machen, nach all dem Training hatte ich noch genügend Luft zum Labbern. Die letzten 5 km mussten ja auch irgendwie zeitlich totgeschlagen werden, mit Schweigen hätten Sie sich wahrscheinlich wie 10 km angefühlt. Mir persönlich wäre es aber lieber gewesen ich wäre im Marathonrenntempo unterwegs gewesen und hätte am Ende sogar keine Luft für irgendwas gehabt.

Schild Teil 5: Der wahrscheinlich kleinste Moment von den 42 ist folgender und ich weiß auch gar nicht, warum der mir im Kopf geblieben ist: Ein Mann hielt ein Schild aus dem Fenster, allerdings stand es auf dem Kopf. Wir teilten ihm daraufhin mit, dass er es falsch hält. Ende der Geschichte. Was auf dem Schild stand? Keine Ahnung.

Großes C: Zwei Mal trafen wir an der Strecke die Mutter von Niklas. Einmal zum Beginn, da waren Jenny und ich tätig als Fotografen für Bilder fürs Familienalbum und ein zweites Mal im Central Park relativ zum Schluss. Da revanchierte Sie sich und machte Bilder von uns. Ich hob dafür ein großes C als Luftballon von der Straße auf. Warum? Die Fotos sollten ja abwechslungsreich sein. Sie wollte das große C mir dann mitgeben, aber ich hatte ja schon ein Foto davon. Lieber nahm ich die Bananen, von denen ich aber nicht zu viel essen sollte. Keine Angst habe ich nicht gemacht.

Nörgeln: Jenny meinte irgendwann: „Ich will ja jetzt nicht nörgeln, mache ich ja sonst nie, aber ich muss es jetzt tun: Meine Füße tun mir unfassbar weh.“ Dass sie nie nörgelt, das stimmt. Normalerweise meldet sie sich erst, dass ihr etwas weh tut, wenn es viel spät ist. Das Training musste daraufhin meistens unterbrochen werden. Umso erstaunlicher war, dass sie bei der Menge an Nörgelei und ihrem Gang 3 Stunden nach dem Zieleinlauf bis zum Schluss durchgehalten hat. Starke Leistung.

0,01 s: Die vorangegangen Halbmarathonwettkämpfe sind Jenny und ich meistens zusammen vom Anfang bis zum Ende gelaufen. Ironischerweise war meine Nettozeit dann immer genau 0,01 Sekunden schneller als die von Jenny. Dafür habe ich mich natürlich immer hart abfeiern lassen, auch wenn ich den ersten Halbmarathon nicht überstanden hätte, wären wir nicht im Team gelaufen. Siege müssen aber nunmal gefeiert werden. In der Gesamtbilanz aller Wettkämpfe liege ich aber 1,98 Sekunden zurück. Die Frage war also dieses Mal, wird der Vorsprung wachsen oder schrumpfen. Am Ende vom Wanderthon war klar, einen Schlussspurt werden wir nicht einlegen. So kamen wir zeitgleich im Ziel an, aber genau so muss es aber auch sein. Zu meiner Verteidigung, es wurden heute keine zehntel oder hundertstel Sekunden gemessen.

Überraschung: Kurz vor dem Zieleinlauf überraschte uns Niklas, indem er über die Absperrung sprang und mit uns die letzten Meter zum Ziel zurücklegte. Ich bin mir sicher Jenny hat sich darüber 10-mal gefreut <3 als ich, was nicht bedeutet, dass ich mich nicht gefreut habe. Niklas, der ja schon ca. 45 Minuten vor uns im Ziel ankam, schlich sich nach seinem Zieleinlauf hinter den feindlichen Linien durch die Absperrungen durch bis er wieder ca. 100 Meter vor dem Zieleinlauf an der Strecke ankam. Dort klärte er seinen geplanten Sprung über die Absperrung zurück auf die Strecke mit dem Streckenposten und der Polizei ab, die zum Glück nichts dagegen hatten. Die Aktion kostete uns aber ein wenig Zeit, sodass unsere angestrebte Zielzeit (diese setzen wir uns unterwegs, weil wir schneller als der Sieger vom Ironman Hawaii sein wollten) von unter 8 Stunden in Gefahr war.

Zieleinlauf: Kurz vor dem Ziel waren links und rechts der Strecke Tribünen aufgebaut, die für gute Stimmung sorgten. Als wir ins Ziel kamen mit einer Zeit von unter 8 Stunden, ja es hat noch gelangt ;), war allerdings niemand mehr auf der Tribüne. Nichtsdestotrotz haben wir uns wie Sieger gefühlt, auch wenn wir es nicht so zu Ende gebracht haben wie ursprünglich geplant. Somit können wir aber bei unserem nächsten Marathon neue persönliche Bestzeit laufen. Bei unserem Zieleinlauf war es auch schon dunkel, was beim Zieleinlauf mit der ganzen Beleuchtung irgendwie doch etwas Besonderes hatte. Weil wer ist schon im Dunkeln ins Ziel eingelaufen vom New York City Marathon? Richtig, die wahren Helden. J

Spaß: Das Wichtigste bei aller Anstrengung ist, dass man Spaß bei der Sache hat. Ich wäre den Wanderthon niemals gelaufen, hätte ich keinen Spaß gehabt während des ganzen Trainings für den Marathon. Ein ganz klein wenig hat es den Spaß gebremst, weil es nur ein Wanderthon und kein Marathon war, aber man muss auch mal fünf gerade sein lassen. Man könnte jetzt sagen, ich bin doch selber schuld an dem ganzen Training für den New York Marathon, weil ich der Initiator der ganzen Sache war und den Rest der Gruppe erst langwierig überreden musste. Der Teil hat auch kein Spaß gemacht, aber ich hätte es nicht gemacht, wenn die ganzen Trainingsläufe nicht so unfassbar viel Spaß gemacht hätten auch wenn die Stimmung mal ausnahmsweise schlecht gewesen war. Am Ende ist es dann nur noch eine wunderbare Belohnung/Erfahrung wenn man jahrelang zusammen auf etwas hart hintrainiert hat und es am Ende dann gemeinsam zum Abschluss bringt, insbesondere wenn man auch noch gemeinsam mit dem Joggen angefangen hat. Deshalb: D A N K E, an alle die mich auf dem Weg begleitet haben, vergessen will ich auch nicht Valentin, den Mut.Muskeln.Respekt.-Mann und Lorenz, mein kleinen Sonnenschein. Ich hoffe wir werden mal wieder ein paar Läufe zusammen absolvieren.

Fehlt nur noch ein Punkt, um die 42 voll zu bekommen. Um Punkt 41 aufzuwerten, zählt dieser doppelt. Also in diesem Sinne: Danke, freue mich schon auf den nächsten Marathon mit euch.

Zum Schluss bleibt mir nur noch folgendes zu sagen:

„Was ist die beste Motivation für einen Marathon? – Ein verkackter Marathon“

Heute berichtete mir jemand, dass ein 80-jähriger Renter beim Ironman Frankfurt den Marathon in unter 3:30 Stunden gelaufen ist. Meine Antwort darauf: Wenn ich so alt bin, werde ich auch so schnell sein!

In diesem Sinne noch einen schönen Tag und vielen Dank fürs Lesen bis ans Ende des Beitrags,

euer Alex

Mein New York City Marathon 2017

Ein Gedanke zu „Mein New York City Marathon 2017

  • 24. November 2017 um 16:13
    Permalink

    hallo Alex, es war mir eine Riesenfreude dich auf deinem Wanderthon per App zu begleiten und mit einer riesen Begeisterung habe ich deinen Marathonblog gelesen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und Du schaffst es sogar, einen zum Lachen zu bringen.
    Am meisten freut es mich, wie sehr Dich die Lauferei glücklich macht und ein besonderer Dank geht an deine Freunde. Halte sie fest, so etwas findet nicht jeder.
    Ich bin übrigens immer für Dich da. lgm

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